Von: G.H. Frater Sapere Aude (Wage zu wissen)
W. Wynn Westcott, Praemonstrator
Es ist schon einige Jahre her, seit entschieden wurde, den äusseren
Orden des G.D., eine hermetische Gesellschaft, deren Mitglieder
in den Grundregeln der okkulten Wissenschaft und der Praxis der
Magie von Hermes unterrichtet werden, wieder zu beleben; der Tod
einiger hervorragender Adepten und Leiter des Ordens während
der zweiten Hälfte des Jahrhunderts, haben einen temporären
schlafenden Zustand des Ordens verursacht.
Unter diesen Adepten waren Eliphas Levi, dar grösste der
modernen französischen Magier; Ragon, der Autor einiger klassischer
Bücher zu okkulten Themen; Kenneth MacKenzie, Autor der freimaurerischen
Enzyklopädie und Frederick Hockley, berühmt für
seine seherischen Fähigkeiten durch einen Kristall und seine
Manuskripte. Diese und andere zeitgenössische Adepten empfingen
ihr Wissen und Energie von den Vorgängern der gleichen und
noch grösserer Eminenz, deren Identität aber noch verborgen
ist. Viele von ihnen empfingen in der Tat die Lehren und das System
der Theosophie, der hermetischen Wissenschaft und der höheren
Alchimie von einer langen Reihe praktischer Arbeitern deren Ursprung
zu den Fratres R.C. aus Deutschland, deren Bruderschaft von Christian
Rosencreutz und seiner Brüder 1398 gegründet wurde,
verfolgt werden kann.
Johann Valentin Andrae, der deutsche Theologe und Mystiker, hat
uns in seinen Arbeiten, die im 1614 und den Jahren danach veröffentlicht
wurden, ein Konto der Lehren und des exoterischen Managements
der R.C. Gesellschaft hinterlassen. Die Wiederbelebung des Mystizismus
war jedoch nur eine Weiterentwicklung der beträchtlich älteren
Weisheit der qabalistischen Rabbiner und des geheimsten Wissens,
der Magie der Ägypter, von welcher die Bibel selbst uns erzählt,
dass Moses, der Gründer des jüdischen Systems, es "gelernt"
habe d.h. in das er initiiert worden war.
Durch die hebräische Kabbala ist uns in der Tat mehr von
der alter Weisheit überliefert worden, als von jeder anderen
Quelle. Es muss uns in Erinnerung bleiben, dass die Hebräer
sowohl von den Ägyptern und zu einem späteren Zeitpunkt
von den chaldäischen Weisen aus Babylon unterrichtet wurden.
Es ist eine eigenartige Tatsache, dass die klassischen Nationen,
Griechenland und Rom, uns nur einen geringen Einblick in die alte
Magie überliefert haben. Dies ist bemerkenswert, weil Griechenland
der Meisterschaftslehre aus Ägypten folgte, und Rom der Tradition
beiden Reiche Griechenland und Judäa. Griechenland folgte
in der Tat zum Teil der Mysterien der Ägypter, denn die Mysterien
von Eleusis waren Anlehnungen an jene älteren und ernsteren
Zeremonien der Isis, vdes Osiris und des Serapis, aber sie ermangelten
der wahren Magie der Ägypter und später behielten die
nachfolgenden klassischen Gesellschaften nur einen schwachen Schein
der eleusinischen Mysterien bei. Und dieser Schein dient dazu,
die Tatsache zu erhellen, dass die Eingeweihten von Eleusis von
den Geheimnissen des Isis-Kultes nicht viel wussten, das bemerkenswerteste
Beispiel hierfür sind die Worte Konx Om Pax, von denen nicht
einmal sie die Bedeutung kannten. Diese Worte, die bloss die griechische
Intonation der wahren alten ägyptischen Worte sind, deren
Bedeutung Jahrhunderte lang ein Geheimnis gewesen ist.
Folglich werden im 0 = 0 Grad des Neophyten ägyptische Charakteristika
und Symbole gefunden, und weiter deckt eine aufmerksame Studie
der höheren Grade die Quelle dieser Kultur auf und veranschaulicht
die Sprache des verstorbenen Eliphaz Levi, durch dessen Adeptentum
und Anwaltschaft die Studie des Okkultismus popularisiert worden
ist.
Der erste Orden ist eine Gruppe von vier Graden zu welchen jeder
Neophyt, der Reihe nach zugelassen wird, wenn er/sie von den sehr
geehrten Leitern als ordnungsgemäss genehmigt wurde, nachdem
er/sie gezeigt hat, dass er/sie in Besitze von genügend Fähigkeit
und Wissen ist. Die drei Grade der Adepten darüber, welche
den zweiten Orden bilden, haben die Macht Mitglieder in die unteren
Grade zu initiieren und Ermächtigungen für Tempel, wie
jeder der Isis-Urania zu erteilen. Aber am höchsten von allen
in dieser antiken Hierarchie rangieren die grossen Oberen des
ganzen Systems, die den dritten Orden, der drei magische Titel
von Ehre und Überlegenheit umfasst, gestreng unterstützen
und regeln. Diese Titel stellen die drei Supernalen der Sephiroth
dar, und sind für alles Profane verhüllt und für
alle Mitglieder, ausser den Leitern der Adepten unnahbar; falls
diese Stellung im Orden einmal vakant sein sollte, wird derjenige
Leiter, der am gelehrtesten und am berühmtesten unter den
Adepten ist, durch eine Verordnung die verlangte Überlegenheit
verliehen.
Das Schema des G.D. wird dann nach der Art der Dekade der Sephiroth,
der 10 Emanationen des Göttlichen, gebildet, wie dies in
der alten Kabbala der Hebräer, deren Professoren durch die
hohe Magie der alten Welt erleuchtet wurden, dargestellt ist.
Die Grade des ersten Orden sind von hebräischer Natur und
genauso wie die Zeit, Christus, Tiphareth, die Schönheit
des Microprosopus enthüllt hat, so wird, in den höheren
Graden christliches Gedankengut reflektiert.
Der Grad des Neophyten, sowie der l., 2., 3., und 4. Grad, welche
der Isis-Urania Tempel, nach geeigneter Prüfung und Zustimmung,
autorisiert ist zu verleihen., besitzen Rituale und Mysterien,
welche von den gross geehrten Haupt-Adepten empfangen, und, zur
Revision, und zur Übersetzung für geeignete Mitglieder
in England, in die Obacht von V.H. Frater 'S Rioghail Mo Dhream,
einem hervorragenden Kabbalisten, hermetischen Schüler, und
Magister der Sociatas Rosicuciana in Anglia (Gesellschaft des
Rosenkreuzes in England) gegeben wurden und zu übertragen.
Es sind jedoch lediglich die Sprache und die Arbeitsarrangements
verbessert worden; die Grundlage des sephirotischen Entwurfs und
die relative Abhängigkeit seiner Teile, die mysteriösen
Namen und die Referenzen sind unberührt von den Ciphermanuskripten
übernommen, die V.H. Sapere Aude, 5 = 6, (dessen Motto zu
dieser Zeit Quod Scis Nescis war), bereits ein Adept und Ehrenmagus
der Soc. Ros. in Anglia, einige Jahre zuvor von einem hervorragenden
und erleuchteten Hermetisten, dessen Name Frater "Five Momor
Lethi" war, übergeben wurden. Er stand viele Jahre lang
mit bekannten britischen und fremden Adepten in Kontakt, und er
hatte reichlich Zugriff zu den Schriften von Eliphas Levi gehabt.
Diese Ansammlung von Manuskripten ist seit dem durch eine mannigfaltige
Ansammlung von zusätzlichen, hauptsächlich chiffrierten,
Dokumenten ergänzt worden, die den Leitern des Tempels von
unseren kontinentalen Fratres und Sorores entweder übergeben
oder verliehen worden sind.
Diese Manuskripte lieferten die Adepten, die durch das Mysterium
ihrer okkulten Bedeutung mit der Fähigkeit, den Orden des
G.D. zu vergrössern, ausgestattet wurden. Nach aussen hin
jedoch abhängig von der Zustimmung der Leiter des zweiten
Ordens.
Nachdem diese Zustimmung, die von G.H. Soror "Sap. Dom.
Ast" aus Deutschland erteilt wurde, wurden die Fratres "Quod
Scis Nescis", "'S Rioghail Mo Dhream" und "Magna
est Veritas", der Oberste Magus der Soc. Ros. in Anglia ordnungsgemäss
unterwiesen, um den Orden in England zu erweitern. Dieser Tempel
wurde als Nachfolger von Hermanubis Nr. 2, der auf Grund des Todes
seiner Leiter aufgehört hatte zu existieren, geweiht.
Der Tempel Nr. 1, Licht, Liebe, Leben, ist eine Gruppe kontinentale
Mystiker, die ihre Zeremonien gewöhnlich nicht in einer offenen
Loge durchführten, welche jedoch die Grade hauptsächlich
im privaten Rahmen mit höchstens zwei oder drei anwesenden
Mitglieder erarbeitet hat. Aus diesem Grund gibt es keine genauen
Aufzeichnungen der Namen und der Grade dieser Mitglieder, und
in ihrer Kommunikation üben sehr grosse Verschwiegenheit.
Sehr bald nach der Erlaubnis den Tempels Nr. 3 zu weihen, wurde
uns eine weitere Erlaubnis zur Weihung des Tempels Nr. 4, Osiris,
in der Super-Stute Weston, unter der Leitung unseres sehr geehrten
Frater "Punktdat Salutem", mit West-England als zugewiesener
Provinz, gegeben worden. Fast gleichzeitig, wurde der Tempel Nr.
5, Horus, unter der Leitung des sehr geehrten Frater "Vota
Vita Mea" in Bradford Yorkshire geweiht. Diese drei Tempel
haben nun nicht nur in diesem Land Mitglieder, sondern auch in
den Vereinigten Staaten, in Hindustan, in Palästina, in Dänemark
etc.
Es ist nun angebracht, wenn ich Ihnen den Namen unseres Ordens
in einigen Sprachen nenne:
Auf hebräisch ist der Name Chabrath Zerek Aour Bokhr, was
soviel wie 'Gesellschaft des glänzenden Lichtes der Dämmerung'
bedeutet.
Als unter Personen von Kultur Latein noch in Gebrauch war, war
der Name 'Aurora Aurea'.
Auf griechisch 'Eos Chryse'.
Im Französischem 'L'Aube Doree'.
Auf Deutsch ist der Name 'Goldene Morgenröte'.
Nun erweisen wir noch der englischen Gesellschaft des Rosenkreuzes
in England (Soc. Ros. in Anglia), die von Frater Robert Wentworth
Little, einem Schüler der Mysterien, unter der Mithilfe der
Fratres Dr. W.R. Woodman, Kapitän F.G. und Dr. Kenneth MacKenzie
wieder aufgebaut wurde. Diese Gesellschaft, die Zweige in England,
Schottland und in den Vereinigten Staaten hat, führt die
Form der rosenkreuzerischen Initiation, die von hundert Jahren
in England eingeführt wurde und von Godfrey Higgins, in seiner
berühmten Arbeit "die Anacalypsis oder ein Versuch,
den Schleier der Saitischen Isis zu lüften", erwähnt
wird.
Frater Little war ein Schüler der Arbeiten von Eliphas Levi
und war ebenso ein hervorragender Freimaurer. Die Gesellschaft
des Rosenkreuzes in England, die von ihm verbessert wurde, wurde
mit Absicht und Erlaubnis im Wesentlichen Freimaurerisch gestaltet
um so jede Verbindung mit den vielen hervorragenden Adepten zu
trennen, die nicht Handwerker gewesen sind.
Die Geschichte berichtet uns von den herrlichen geistigen Errungeschaften
des Basilius Valentinus, des Artephius, von Nicholas Flamel, Pastellus,
Petrus di Abano, Cardan, Gaffarelli, Jacob Böhme und Robert
Fludd. Die Gesellschaft des Rosenkreuzes in England versagt darin,
jeden möglichen Wert für Forschung in den Mysterien
durch Frauen anzuerkennen. Dies ist auch eine Neuerung nach dem
Entwurf der alten Mysterien, bei welchen oft, vornehmlich bei
denjenigen der Isis, Priesterinnen und jungfräuliche Propheten
vorstehende Minister waren.
Ich möchte in der Tat besondere Aufmerksamkeit auf die Tatsache
lenken, das in einigen Fällen in den alten Manuskripte, die
chiffriert sind, Referenz auf die Fratres und Sorores gemacht
wird, und die Wörter "sie" und "er" auftreten,
die offenbar machen, dass in den älteren Zeiten, wie auch
heutigen Tags, Frauen hohe Grade in geheimen Mysterien des Ordens
erreichen.
Die Geschichte verschweigt keiner Weise den Erfolg von Frauen
in den okkulten Forschungen; Erwähnung mögen an dieser
Stelle Pernelle, die Frau und Gefährtin in der Arbeit von
Nicholas Flamel, Martina Bertheran, Begleiterin von Baron Jean
de Chatelet der ungefähr 1645 starb, und die Witwe (später
symbolisch als Sophia - Himmlische Klugheit - bekannt) des Mitschülers
und Inspirationsquelle von Johann Georg Gichtel, der 1700 starb,
und der als mystischer Theosophist berühmt war. Die Okkultisten
der heutigen Tage brauchen nicht an die grossen Hermetiker und
Theosophisten unserer Tage, wie Dr. Anna Kingsford, die der Tod
uns vorzeitig raubte, erinnert zu werden. Sie war in der Tat durch
die Sonne des Lichtes erleuchtet, und niemand, der jemals ihre
Vorträge hörte, und sie die hermetischen Lehren diskutieren
sah, wird je ihre Gelehrtheit oder ihre Beredsamkeit, ihre Schönheit
oder ihre Anmut vergessen. Oder Madame Blavatsky, der Leiterin
der theosophischen Gesellschaft, eine moderne Prophetin des esoterischen
Buddhismus - jedoch kein okkultes System. Wie weit auch immer
jemandes bevorzugter Pfad zur Weisheit davon entfernt sein mag,
er/sie muss in ihr einen Meister-Verstand in der Verkleidung einer
Frau erkennen.
Die Soc. Ros. in Anglia ist, in gewisser Weise in ihren unteren
Graden esoterisch ausgerichtet. Die Leitung haben jedoch Adepten
eines inneren Zirkels inne, die immer noch das verborgene Wissen
des R.C. besitzen und zusätzlich noch die spezielle, versiegelte
Information in der englischen Gesellschaft, zu welcher die Mitglieder
des G.D. natürlich keinen Zugang haben, jedoch parallel dazu
arbeiten.
Die Soc. Ros., ihre verschiedenen Zweige in vielen Ländern
und der Orden des G.D. stamen von den selben Eltern und Vorfahren
ab, die eine entwickelte sich zu einem maskulinen und maurerischen
System, der andere hielt die ältere und weitere Basis der
Zulassung aller vertrauenswürdigen Schüler aufrecht,
ob sie nun reich waren oder arm und ohne geschlechtliche Unterscheidung,
sie mögen sich weiterentwickeln ohne jedoch die Seelenruhe
des anderen zu stören. Wahrhaftige und geduldige Schüler,
welche Wollen - Wagen - Lernen - Schweigen können, können
so das Summum Bonum, die Wahre Weisheit und Perfekte Freude erlangen.